DeutschአማርኛالعربيةБългарски简体中文EnglishFrançaisItalianoكوردی‎پښتوPolskiPortuguêsRomânăРусскийAfsoomaaliEspañolไทยTürkçeTiếng Việt

Geschichte des Vereins

„Ich bin überzeugt, dass die Freitheit der Frau die größte Revolution, nicht allein unserer, sondern aller Zeiten sein wird, denn sie bricht Fesseln, die so alt sind wie die Welt“

Luise Dittmar (1807-1884)
Frauenrechtlerin aus Darmstadt

 

Geschichte der Frauenbewegung in Darmstadt

 

Seit der Zeit der Großherzogin Alice (1843-78) und Ihrer Freundin Luise Büchner (1821-77) gibt es in Darmstadt das Bemühen um die „Frauenfrage“ – das hies im Verständnis der Zeit die Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Lage der Frauen. Die Publikationen von Luise Büchner für eine bessere Ausbildung von Mädchen und Frauen und Louise Dittmars  (1807-84) streitbare Schriften gegen die patriarchalische Gesellschaft fanden weithin Beachtung und machten beide Frauen zu Vorkämpferinnen der Frauenbewegung. Diese Themen waren damals international im gesellschaftlichen Diskurs und aus dieser Zeit stammen auch die ersten organisierten Frauenverbände. Unter dem Protektorat der Großherzogin Alice von Hessen entstanden in Darmstadt zwei große Frauenvereine, der Alice-Frauenverein für die Ausbildung von weltlichen Krankenschwestern und der Verein für die Förderung der weiblichen Industrie. Heute kennen wir in Darmstadt noch das Alice-Hospital und die Alice-Eleonoren-Schule für berufliche Ausbildung von ErzieherInnen.

Ab 1900 haben Darmstädter Frauenverbände Beratungsstellen für Mädchen und Frauen gegründet und – wie vielerorts auch – immer wieder die Einführung des Frauenwahlrechtes eingefordert, das schließlich im November 1918 bundesweit eingeführt wurde.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 lösten sich in Deutschland die großen Frauenverbände, die im Bund der Frauenverbände, BDF, organisiert waren, freiwillig auf, weil ihnen angetragen worden war, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen.

Die aktiven Frauen blieben jedoch miteinander in Kontakt.

So konnte nach Ende des Krieges gleich wieder organisierte Frauenarbeit stattfinden; ab 1946 gab es überall in Deutschland, „Frauenausschüsse“, die die Frauen aufriefen, daran mitzuarbeiten,

  • dass die unbeschreiblichen Nachkriegszustände behoben würden – auch im häuslichen Bereich, z.B. Bezugsscheine, rationierte Energie für die Haushalte,
  • am Aufbau der Demokratie mitzuwirken – mit Fokus auf die Frauenfrage, also die Gleichheit der Frau auf allen Gebieten vor dem Gesetz einzufordern,
  • in der Kinder- und Jugendfürsorge aktiv mitzuhelfen – bei der es in der Nachkriegszeit einen imensen Bedarf gab.

Im September 1946 gab es im Darmstädter Echo einen diesbezüglichen öffentlichen Aufruf. Interessant auch im Vergleich zu unseren heute aktuellen frauenpolitischen Themen dürfte hier besonders ein Ausschnitt sein:

Öffentlicher Aufruf

In Darmstadt hat sich ein Frauenausschuss gebildet, der hiermit die Frauen und Mädchen der Stadt und des Landkreises zur Mitarbeit und Unterstützung aufruft.

Die grenzenlose Not, die in allen Bevölkerungskreisen und auf allen Gebieten herrscht und unter der besonders die Frauen zu leiden haben, kann nur überwunden werden, wenn wir uns als Frauen zusammenschließen, uns gegenseitig helfen und gemeinsam unsere Interessen nach außen vertreten.

Aus dieser Überzeugung heraus haben wir unterzeichnenden Frauen aus allen Schichten und Berufen uns zusammengetan und den Darmstädter Frauenausschuss ins Leben gerufen.

Wir fordern für die Frau völlige Gleichberechtigung auf allen Gebieten, gleichen Lohn für gleiche Leistung, stärkere Mitwirkung in der öffentlichen Verwaltung, in den Gewerkschaften und Betrieben und vor allem, Erleichterungen in der Haus- und Ernährungswirtschaft. Wir fordern verstärkte Fürsorge für die unterernährten Kinder und wirksame Maßnahmen gegen die zunehmende Verwahrlosung der Jugend.

Wir wollen allen Frauen mit Rat und Tat zur Seite stehen und versuchen, die unvermeidlich wieder auftauchenden Schwierigkeiten zwischen der Bevölkerung und den Behörden zu klären und zu beseitigen. Dazu brauchen wir tätige Mitarbeit und bitten hiermit alle interessierten Frauen und Mädchen, uns bei dieser Aufgabe zu helfen.“

 

Es bildete sich also in Darmstadt ein Frauenausschuss
und im Mai 1947 konstituierte sich aus diesem Ausschuss heraus
der überparteiliche Frauenverband Darmstadt,
der sich dem Frauenverband Hessen anschloss.

Im Juli 1963 erfolgte die Umbenennung in
Deutscher Frauenring, Ortsverband Darmstadt e.V..

Diese Umbenennung erfolgte, weil auch der sich parallel entwickelnde Landesverband die neue Bezeichnung angenommen hatte, um eine Vereinheitlichung innerhalb der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen. Schließlich wurde zwei Jahre später dieser Entwicklung noch ein Bundesverband vorgeschaltet, der bis heute ein frauenpolitischer Mahner auf Bundesebene ist.

Die Vereinsziele sind von Anfang an klar vorgegeben:

Förderung der staatsbürgerlichen Bildung der Frau und Verfolgung sozialer Zwecke.

Auszug aus dem Satzungstext des Deutschen Frauenrings, Ortsverband Darmstadt e.V.:

Besondere Zwecke

Der Deutsche Frauenring erstrebt ebenso wie seine Landesverbände die Förderung

  • der staatsbürgerlichen Bildung und Mitarbeit der Frauen in Staat und Gesellschaft,
  • der Frauenweiterbildung in allen Bereichen der beruflichen Aus- und Weiterbildung der Frauen und ihrer Wiedereingliederung in das Erwerbsleben nach familienbedingten Unterbrechungen,
  • aller Maßnahmen zur Unterstützung der Familie im Sinne des Grundgesetzes,
  • der Kranken- und Altenbetreuung sowie aller Maßnahmen, die der Wohlfahrt und
  • dem Schutz der Jugend dienen,
  • aller Maßnahmen für den Umweltschutz,
  • des Einflusses der Frauen auf allen Gebieten der Politik, des Rechts, der Wirtschaft,
  • der Wissenschaften und der Kultur,
  • internationaler Gesinnung, der Toleranz, des Gedankens der Völkerverständigung
  • im Sinne der Präambel durch Mitarbeit in den Organen seiner internationalen Dachorganisationen
  • sowie durch Pflege der Beziehungen zu anderen in- und ausländischen
  • Organisationen, die die gleichen Zwecke verfolgen.

 Gemeinnützigkeit

Der Verband verfolgt damit ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke

 

Engagement des Deutschen Frauenrings OV Darmstadt über die vergangenen Jahrzehnte hinweg

  • Verschicken von Paketen, vor allem zu Ostern und Weihnachten in die ehemalige DDR
  • Organisatorische und finanzielle Unterstützung sowie
  • Vermittlung von Kuren und Erholungsaufenthalten von älteren Menschen
  • „Pfennigbasare“ für die Finanzierung dieser Projekte
  • seit den 60er Jahren Aufbau einer Büchersammlung über Frauen der frühen Frauenbewegung – später Luise-Büchner-Bibliothek
  • seit den 80er Jahren die Trägerschaft für das Frauenhaus Darmstadt
  • Beteilung an der Umsetzung überregionaler Projekte des Deutschen Frauenrings wie „Neuer Start ab 35“ und
  • „Neue Chancen nach der Lebensmitte – Spurwechsel“

 

Die Luise-Büchner-Bibliothek, ein Kind des Frauenrings Darmstadt, ist eine Spezialbibliothek für Frauengeschichte und Geschichte der Frauenbewegung, die seit Ende der 60er Jahre von Mitgliedern des Darmstädter Frauenrings aufgebaut wurde. 1981 gingen die Bücher aus Platzgründen für einige Jahre zu dem Schwesterverein nach Hamburg, wo die Sammlung erstmalig systematisch erfasst und weiterhin ergänzt wurde. Seit 1996 ist die Büchersammlung unter dem Namen Luise Büchner Bibliothek des Deutschen Frauenrings wieder in Darmstadt und inzwischen über viele Jahre sukzessive nach Schwerpunkten ergänzt der Öffentlichkeit zugänglich
im Literaturhaus, Kasinostraße 3, 64293 Darmstadt,  donnerstags von 16-18 Uhr
Während der hessischen Schulzeiten ist die Bibliothek geschlossen  – s. weiteres auch unter www.luise-buechner-bibliothek.de

 

Mit der Übernahme der Trägerschaft des Frauenhauses Darmstadt 1980 beschritt der Deutsche Frauenring OV Darmstadt eigene Wege. Der örtliche Verein übernahm die Verantwortung für eine soziale Einrichtung, deren Finanzierung zu großen Teilen über Verträge mit der Stadt Darmstadt und dem Land Hessen sichergestellt wurde. Hinzu kommt die Personalverantwortung für die im Frauenhaus und in der rasch zusätzlich benötigten Fachberatungsstelle für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen beschäftigten Mitareiterinnen. Das Bemühen im Kampf gegen häusliche Gewalt prägte die aktiven Frauen und vor diesem Hintergrund wurde hier in Darmstadt eine sehr viel konkretere Frauenpolitik gemacht, als in den anderen Ortsvereinen des Verbandes.

Diese Verschiebung des Schwerpunktes führte im Laufe der Zeit zu einer inhaltlichen Eigenständigkeit des Vereins hier in Darmstadt, der übrigens seit vielen Jahren – wie viele andere Vereine auch – mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat. Da kein anderer Verein im Verband des Deutschen Frauenrings ein solch verbindliches soziales Projekt getragen hat oder trägt, war der Darmstädter Verein ein Exot, dessen Bedürfnissen innerhalb des Verbandes keine Rechnung getragen werden konnte.

Aus diesem Grunde wurde Ende 2018 in einer zu diesem Zweck einberufenen Mitgliederversammlung beschlossen, aus dem Verband des Deutschen Frauenrings auszutreten, um sich vorort in Darmstadt finanziell und personell auf das primäre Anliegen des Vereins, die Trägerschaft von Frauenhaus und Fachberatungsstelle „Frauen Räume“, konzentrieren zu können. Folgerichtig wurde dann auch eine Umbenennung des örtlichen Vereins notwendig.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung 2019 wurde der neue Name
Frauenhaus Darmstadt e.V. beschlossen.

Wir stehen jedoch ausdrücklich auch weiterhin zu unserer frauenpolitischen Geschichte und unser Bemühen gilt auch künftig über das Thema häusliche Gewalt hinaus den aktuellen frauenpolitischen Themenstellungen. Unser Plädoyer an junge Frauen:

 

Die Intention der Nachkriegsfrauen war, dass sie sich Hilfe (zur Selbsthilfe) erhofften durch das gemeinsame Vorgehen in einem Frauenverband beim Agieren während der schwierigen Versorgungslage (-> Bezugsscheine, Lebensmittelkarten etc.) sowie Unterstützung in der Selbstorganisation (Haushalt) um Ressourcen frei zu bekommen, z.B. für eine Berufsausbildung. Weitere Schwerpunkte des Interesses waren seinerzeit Erziehungsfragen und die staatsbürgerliche Bildung. Dies alles waren Anliegen vor dem Hintergrund des dringenden Bedürfnisses, endlich Chancengleichheit für Mann und Frau und damit eine echte Gleichberechtigung zu erreichen.

 

Gleichheit auf dem Papier haben wir heute erreicht – bei der Umsetzung in der Praxis hapert es jedoch bei näherem Hinsehen noch, s. beispielsweise die immer noch bestehende Lohndifferenz.

 

Mit Sorge stellen wir außerdem immer wieder fest, dass das, wofür sich Generationen von Frauen in der Vergangenheit so engagiert und verantwortungsbewusst einsetzten, heute mit einer großen Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, ohne dass diese Freiheit gelebt wird bzw. bewusst wertgeschätzt und bei Bedarf aktiv verteidigt wird.

 

 

Unmittelbare Folgen dieser Entwicklung für die großen Frauenverbände:

  • seit Jahrzehnten zurückgehende Mitgliederzahlen
  • „Sterben“ der Ortsverbände
  • „Sterben“ der Landesverbände

 

Unser Problem hier in Darmstadt:

Wir durften nicht „sterben“, da die Zuwendungsverträge des Frauenhauses Darmstadt an unsere Trägerschaft gebunden sind. Ein neuer, vorwiegend aus externen Frauen rekrutierter Vorstand versucht seit 2011 interne Kräfte und Interessen zu identifizieren und zu bündeln, um dem frauenpolititschen Anspruch weiterhin gerecht werden zu können und unser Anliegen für die neuen Generationen attraktiv zu machen. Die Mitgliederzahl ist inzwischen ganz einfach auch aus Gründen der Alterstruktur der Mitglieder immer weiter gesunken. Nach wie vor sind wir auf der Suche nach frauenpolitisch interessierten und engagierten Frauen jeden Alters, die sich mit uns hier auf regionaler Ebene betätigen wollen.

 

 

 

Engagement Bundesverband des Deutschen Frauenrings siehe unter: http://www.deutscher-frauenring.de

Internationale Projekte:

Burkina Faso seit 1989 und Togo 1991

  • Aufklärung über Genitalverstümmelung
  • Schulungszentrum für Berufsausbildung
  • Finanzierung von Alphabetisierungskursen.
  • Arbeit im Gesundheitsbereich Mutter und Kind, Familienplanung, HIV/Aidsaufklärung
  • Vermittlung/Betreuung von Praktikantinnen in diesen Projekten
Seite verlassenSicherheit