Geschichte des Vereins

Deutscher Frauenring – Historie

 

Seit der Zeit der Großherzogin Alice (1843-78) und Ihrer Freundin Luise Büchner (1821-77) gibt es in Darmstadt das Bemühen um die „Frauenfrage“, d.i. die Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Lage der Frauen. Dieses Bemühen trieb damals die gesamte gebildete Welt um und aus dieser Zeit stammen auch die ersten organisierten Verbände.

1933 lösten sich in Deutschland die großen Frauenverbände, im Bund der Frauenverbände, BDF, organisiert waren, freiwillig auf, weil ihnen angetragen worden war, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen.

Die Protagonistinnen blieben jedoch miteinander in Kontakt.

So konnte nach Ende des Krieges gleich wieder organisierte Frauenarbeit stattfinden; ab 1946 gab es überall in Deutschland, „Frauenausschüsse“, die die Frauen aufriefen, daran mitzuarbeiten,

  • dass die unbeschreiblichen Nachkriegszustände – auch im häuslichen Bereich, z.B. Bezugsscheine, rationierte Energie für die Haushalte – behoben würden,
  • am Aufbau der Demokratie mitzuwirken – mit Fokus auf die Frauenfrage, also die Gleichheit der Frau auf allen Gebieten einzufordern,
  • in der Kinder- und Jugendfürsorge aktiv mitzuhelfen, bei der es seinerzeit eine Menge Bedarf gab.

Im September 1946 gab es im Darmstädter Echo einen diesbezüglichen öffentlichen Aufruf. Interessant unserer heutigen frauenpolitischen Themen dürfte hier besonders ein Ausschnitt sein:

Öffentlicher Aufruf

In Darmstadt hat sich ein Frauenausschuss gebildet, der hiermit die Frauen und Mädchen der Stadt und des Landkreises zur Mitarbeit und Unterstützung aufruft.

Die grenzenlose Not, die in allen Bevölkerungskreisen und auf allen Gebieten herrscht und unter der besonders die Frauen zu leiden haben, kann nur überwunden werden, wenn wir uns als Frauen zusammenschließen, uns gegenseitig helfen und gemeinsam unsere Interessen nach außen vertreten.

Aus dieser Überzeugung heraus haben wir unterzeichnenden Frauen aus allen Schichten und Berufen uns zusammengetan und den Darmstädter Frauenausschuss ins Leben gerufen.

Wir fordern für die Frau völlige Gleichberechtigung auf allen Gebieten, gleichen Lohn für gleiche Leistung, stärkere Mitwirkung in der öffentlichen Verwaltung, in den Gewerkschaften und Betrieben und vor allem, Erleichterungen in der Haus- und Ernährungswirtschaft. Wir fordern verstärkte Fürsorge für die unterernährten Kinder und wirksame Maßnahmen gegen die zunehmende Verwahrlosung der Jugend.

Wir wollen allen Frauen mit Rat und Tat zur Seite stehen und versuchen, die unvermeidlich wieder auftauchenden Schwierigkeiten zwischen der Bevölkerung und den Behörden zu klären und zu beseitigen. Dazu brauchen wir tätige Mitarbeit und bitten hiermit alle interessierten Frauen und Mädchen, uns bei dieser Aufgabe zu helfen.“

 

Es bildete sich in der Folge ein Ausschuss und im Mai 1947 konstituierte sich aus diesem Ausschuss heraus, der überparteiliche Frauenverband Darmstadt, der sich dem Frauenverband Hessen anschloss.

Im Juli 1963 erfolgte die Umbenennung in FRAUENRING, ORTSVERBAND DARMSTADT.

Dies geschah, weil auch der sich parallel entwickelnde Landesverband die neue Bezeichnung angenommen hatte, um eine Vereinheitlichung innerhalb der Bundesrepublik durchzuführen. Schließlich wurde zwei Jahre später dieser Entwicklung noch ein Bundesverband vorgeschaltet, der bis heute ein nimmermüder Mahner derFrauenthemen auf Bundesebene ist.

 

Die Vereinsziele sind von Anfang an klar vorgegeben:

Förderung der staatsbürgerlichen Bildung der Frau und Verfolgung sozialer Zwecke.

Satzungstext:

Besondere Zwecke

Der Deutsche Frauenring erstrebt ebenso wie seine Landesverbände die Förderung

  • der staatsbürgerlichen Bildung und Mitarbeit der Frauen in Staat und Gesellschaft,
  • der Frauenweiterbildung in allen Bereichen der beruflichen Aus- und Weiterbildung der Frauen und ihrer Wiedereingliederung in das Erwerbsleben nach familienbedingten Unterbrechungen,
  • aller Maßnahmen zur Unterstützung der Familie im Sinne des Grundgesetzes,
  • der Kranken- und Altenbetreuung sowie aller Maßnahmen, die der Wohlfahrt und
  • dem Schutz der Jugend dienen,
  • aller Maßnahmen für den Umweltschutz,
  • des Einflusses der Frauen auf allen Gebieten der Politik, des Rechts, der Wirtschaft,
  • der Wissenschaften und der Kultur,
  • internationaler Gesinnung, der Toleranz, des Gedankens der Völkerverständigung
  • im Sinne der Präambel durch Mitarbeit in den Organen seiner internationalen Dachorganisationen
  • sowie durch Pflege der Beziehungen zu anderen in- und ausländischen
  • Organisationen, die die gleichen Zwecke verfolgen.

 Gemeinnützigkeit

Der Verband verfolgt damit ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke

 

 

Engagement des OV Darmstadt über die Zeit hinweg

  • Verschicken von Paketen, vor allem zu Ostern und Weihnachten in die ehemalige DDR
  • Organisatorische und finanzielle Unterstützung sowie
  • Vermittlung von Kuren und Erholungsaufenthalten von älteren Menschen
  • „Pfennigbasare“ für die Finanzierung dieser Projekte
  • seit den 60er Jahren Aufbau einer Büchersammlung über Frauen der frühen Frauenbewegung – später Luise-Büchner-Bibliothek
  • seit den 80er Jahren die Trägerschaft für das Frauenhaus Darmstadt
  • Beteilung an der Umsetzung überregionaler Projekte wie „Neuer Start ab 35“ und
  • „Neue Chancen nach der Lebensmitte – Spurwechsel“

Die Luise-Büchner-Bibliothek, ein Kind des Frauenrings Darmstadt (LV: „unser Juwel in Darmstadt“), ist eine Spezialbibliothek von und für Frauen, die Ende der 60er Jahre von Mitgliedern des Darmstädter Frauenrings aufgebaut wurden.
Zwischendurch war diese Bibliothek aus Platzgründen in Hamburg ausgelagert ist aber seit 1998 wieder in Darmstadt, im Literaturhaus, und trägt seitdem den Namen Luise-Büchner-Bibliothek.
Sie steht allen Interessierten offen und die Benutzung ist kostenlos.
Sammelschwerpunkte sind…………., Öffnungszeiten……………………, Kontakt……………………..

 

Engagement Bundesverband = International

Burkina Faso seit 1989

  • Aufklärung über Genitalverstümmelung
  • Schulungszentrum für Berufsausbildung
  • Finanzierung von Alphabetisierungskursen.
  • Arbeit im Gesundheitsbereich Mutter und Kind, Familienplanung, HIV/Aidsaufklärung
  • Vermittlung/Betreuung von Praktikantinnen in diesen Projekten

und Togo 1991 Aufklärung gegen Genitalverstümmelung etc.

eine Auswahl der sonstigen Aktivitäten des Bundesverbandes:

  • Newsletter 08/12: Frauen an deutschen Universitäten, Ehegattensplitting, Zuschussrente zu Minirenten, von denen meistens Frauen betroffen sind
  • eine Folge von Anschreiben an den letzten Jahren an die Bundesministerin der Justiz bezüglich der Unterhaltsrechtsreform von 2008
  • gleicher Lohn für gleiche Arbeit wurde vom DFR angemahnt im März 2011
  • ……………………..

 

 

Die Intention der Nachkriegsfrauen war, dass sie sich Hilfe (zur Selbsthilfe) erhofften durch das gemeinsame Vorgehen in einem Frauenverband (schwierige Versorgungslage -> Bezugsscheine, Lebensmittelkarten) sowie Unterstützung der Selbstorganisation (Haushalt) um Ressourcen frei zu bekommen, z.B. für eine Berufsausbildung. Weitere Schwerpunkte des Interesses: Erziehungsfragen und staatsbürgerliche Bildung.

 

Gleichheit auf dem Papier haben wir heute erreicht.

 

Mit Sorge stellt der Frauenring jedoch fest, dass

  • das, wofür sich die Frauen in der Vergangenheit so engagiert und verantwortungsbewusst einsetzten, heute mit einer großen Selbstver-ständlichkeit vorausgesetzt wird, ohne dass diese Freiheit gelebt wird bzw. bewusst wertgeschätzt wird.
  • das Selbstwertgefühl der heutigen Frauen nicht mehr im Sinne der Frauenfrage reflektiert ist.

Beispiel Artikel im Darmstädter Echo vom  01.03.2012:

„Heute morgen um 10 Uhr eröffnete Henschel & Ropertz “Gegenüber” vom Stammhaus am weißen Turm seinen neuen Modeladen für junge Frauen. Die ersten Zehn die nur in Unterwäsche kamen, konnten sich über einen Einkaufsgutschein in Höhe von 250,- EUR freuen. Natürlich kamen bei dieser Aktion mehr als Zehn. Die nächsten 50 Kundinnen bekamen wenigstens noch ein T-Shirt. Eine einzelne Demonstrantin war auch vor Ort mit einem Schild “Dies ist ein unmoralisches Angebot”. Mit einem Schmunzeln wurde sie von allen missachtet. Obwohl sie einige Teilnehmerinnen angesprochen hat, ließen diese sich nicht von ihr überzeugen. Also eine gelungene Aktion für Henschel & Ropertz.“

Frauenbild!……………………..

 

Unmittelbare Folgen dieser Entwicklung für die großen Frauenverbände:

  • seit Jahrzehnten zurückgehende Mitgliederzahlen
  • „Sterben“ der Ortsverbände
  • „Sterben“ der Landesverbände

 

Unser Problem hier in Darmstadt:

Wir dürfen nicht „sterben“, da die Versorgungsverträge des Frauenhauses Darmstadt an unsere Trägerschaft gebunden sind! Ein neuer, vorwiegend aus externen Frauen rekrutierter Vorstand versucht seit 2011 interne Kräfte und Interessen zu identifizieren und zu bündeln, um dem Frauenpolititschen Anspruch weiterhin gerecht werden zu können.